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"WENN ICH TANZE, SPÜRE ICH MEIN HERZ"

Die Bayasgalant Tagesstätte ermöglicht es den Kindern, in einem Umfeld aufzuwachsen, welches sie fördert und ihnen nicht nur zu gefüllten Bäuchen und besseren Schulnoten verhilft, sondern auch zu mehr Selbstvertrauen. Die 18-jährige Ariunjin kann aufgrund dieser Unterstützung schon bald ihren Traum leben. 

Text: Martina Zürcher

Ariunjin tanzt mit Leib und Seele ...
Ariunjin tanzt mit Leib und Seele ...
... und übermittel damit ihre Emotionen ans Publikum.
... und übermittel damit ihre Emotionen ans Publikum.

 

Von den Wänden gucken Mickey Mouse, Sponge Bob und Giraffen zu. Vor den Wänden sitzen auf Stühlen und am Boden Kinder jeglichen Alters aufgereiht und sehen gebannt zu. Aus einem einfachen Radio spielt mongolische Musik und in der Mitte des Raumes tanzt Ariujin den „Tanz für die Mutter“. Sie ist mit Leib und Seele bei der Sache und rührt damit nicht nur mich zu Tränen. Ihr tänzerischer Ausdruck ist genauso stark, wie ihre Umarmung ein paar Minuten später. 

Diese Szene ereignete sich im letzten Sommer. Und noch immer erinnere ich mich sehr lebhaft an ihren Tanz und die Emotionen, welche die junge Frau mit runder Brille dabei vermittelte. Wenn sie jetzt am Telefon zu mir sagt: „Ich spüre beim Tanzen mein Herz so richtig fest“, weiss ich genau, was sie damit meint. Tanzen ist ihre Leidenschaft, die sie ab September zu ihrem Beruf machen kann. 

 

Als der Alltag plötzlich bunt wurde

Arujin ist 18 und kommt seit sie 8 Jahre alt ist auf die Bayasgalant Tagesstätte. Als sie und ihre Geschwister damals anfingen die Tagesstätte zu besuchen, eröffnete sich für das kleine Mädchen von damals eine bunte, neue Welt. „Ich weiss noch genau wie es war. Jeden Tag, den wir nicht zur Tagesstätte konnten, war ein dunkler Tag. Bei Bayasgalant gab es plötzlich Essen, viele andere Kinder zum Spielen und so viele Möglichkeiten zu lernen und Dinge zu machen, zu denen wir vorher keinen Zugang hatten.“ Nebst der Förderung, die sie plötzlich erfuhr, gehörten ab sofort auch warme Mahlzeiten zu ihrem Tag. Was zu Hause nicht selbstverständlich war. „Wir sind fünf Kinder, mein Vater arbeitete nur hie und da auf einer Baustelle. Meine Mutter hatte keine Arbeit. Es war schwierig.“ 

 

Von der Leidenschaft zum Beruf

Am 1. September beginnt Ariunjin ihr Studium an der staatlichen Kunst- und Kultur-Universität in Ulaanbaatar. Sie nimmt ein dreijähriges Studium zur Choreographin auf, weil sie  "in Zukunft anderen Kindern helfen möchte, zu lernen, sich durch das Tanzen besser auszudrücken.“ Sie hat selbst erfahren, dass dies in den Jurtenviertenl, in denen sie aufgewachsen ist, nicht immer einfach ist. Sie hat aber, seit sie vor fünf Jahren das Tanzen für sich entdeckte, auch gelernt, wie viel Emotionen das Tanzen auslösen kann und wie befriedigen es ist, dass zu tun, wofür das Herz schlägt: „Wenn ich tanze oder anderen dabei helfe, einen Tanz einzustudieren, dann bin ich sehr zufrieden.“ 

Als sie neulich zur Universität fuhr, um sich für das erste Semester einzutragen, sei sie „soooo glücklich gewesen.“ Sie zieht das Wort in die Länge und lacht so herzlich, dass ich ihr Strahlen über die ganzen 10'000 Kilometer Distanz spüre. „Ich fühlte mich so gut, als ich dort war. Es ist der Ort wo ich hingehöre!“ Und jetzt könne sie kaum warten, bis es in einem Monat losgehe. 

Die Aufnahmeprüfung bestand aus einem schriftlichen Teil und einem Auftritt, den sie vor einer Jury tanzen musste. 

„Warst du sehr nervös?“ 

„Überhaupt nicht,“ lacht Ariunjin.

„Ich habe mich so fest aufs Tanzen konzentriert und wusste so sehr, dass dies mein Weg ist, dass ich keine Zeit hatte nervös zu sein.“ Eine beeindruckende Aussage. 

 

Vertrauen in sich selbst 

Auf die Frage, ob es möglich gewesen wäre, sich ohne Bayasgalant diesen Traum zu erfüllen, antwortet sie schnell und bestimmt: „Nein!“, und das liege nicht nur an den Finanzen – das Studium kostet pro Jahr rund 1000 Franken – sondern auch daran, „weil ich erst bei Bayasgalant gelernt habe, Selbstvertrauen zu haben und vor anderen Leuten aufzutreten. Weil mich die Lehrerinnen auf der Tagesstätte immer dazu aufgefordert haben, mein Talent zu leben und weil ich immer wieder die Möglichkeit gehabt habe aufzutreten. Ich hatte viele lehrreiche Auftritte in der Tagesstätte.“ 

„Und“, fügt sie lachend hinzu, „ein sehr geduldiges Publikum.“  

 

Den eigenen Weg gehen

Das innere Feuer für etwas zu haben, das habe sie von ihrer älteren Schwester gelernt. Diese baute, als sie im gleichen Alter war wie Ariunjin jetzt, eine Schachschule aufgebaut und ist nun als Managerin beim mongolischen Schachverband angestellt. Sie hätte ihr schon früh gesagt: „Unsere Eltern haben uns das Leben geschenkt. Das ist mehr als genug. Nun müssen wir das Beste daraus machen und unseren eigenen Weg gehen und selbst für uns sorgen.“ 

Dass der Weg des Herzens nicht immer einfach ist, hat sie in den letzten zwei Jahren, in denen sie sich bei einer Tanz-Crew engagierte gemerkt. Der Trainer sei manchmal sehr streng und einige würden denken, Tanz sei nur etwas für die finanziell besser Situierten, nicht aber für ein Mädchen aus den Jurtenvierteln, dessen Eltern bloss als Putzhilfen arbeiten. Aber dann, wenn es schwierig sei, denke sie an die Lehrerinnen auf der Tagesstätte und alle die Menschen, die hinter Bayasgalant stehen und was sie alles für sie und die anderen Kinder gemacht hätten.

„Sie haben all die Jahre nie aufgegeben, sind immer für uns da gewesen. Wenn ich daran denke, dann finde ich die Kraft, um weiter zu machen, weiter an mir und meinem Traum zu arbeiten.“ 

 

GEMEINSAM FÜR EINE BESSERE ZUKUNFT 

Ein Studium kostet pro Jahr rund 1000 CHF. Je nach Situation der Familie bezahlt Bayasgalant bei jeder Studentin bei jedem Studenten einen anderen Anteil. Bei einigen den gesamten Betrag, während anderen mehr als die Hälfte selbst übernehmen können. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Katharina (Donnerstag, 08 August 2019 16:07)

    Ich freue mich so für Arijuni und all die andere Kinder ���

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