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Endlich wieder offen!

Am ersten September startet in der Mongolei traditionell die Schule. Dieses Jahr war der Tag für uns alle mit besonders viel Freude gefüllt. Nach der mehrmonatigen Zwangspause durch Corona, dürfen wir endlich wieder für «unsere» Kinder da sein. 

Text Martina Zürcher, Bilder: Zaya Okhinoo

Erst waren es nur wenige Kinder, aber von nun an wird es endlich wieder richtig voll!
Erst waren es nur wenige Kinder, aber von nun an wird es endlich wieder richtig voll!

 «Juhuuu! Ab heute dürfen die Kinder endlich wieder bei uns sein!» Diese Nachricht erreichte uns am frühen Morgen des ersten Septembers. Der Tag, welcher in der Mongolei traditionell der erste Schultag ist. «Es ist für mich das schönste Geburtstagsgeschenk, dass die Tagesstätte endlich wieder voller Lärm ist. Es ist so schön!», sagt Projektleiterin Zaya später am Telefon, als wir ihr zum Geburtstag gratulieren. «Das ganze Team ist top motiviert und freut sich sehr mit und für die Kinder.»

 

Nachdem wir Februar bis Mai einzig Lebensmittelnothilfe leisten durften und im Juni und Juli die Kinder in kleinen Gruppen zu Ausflügen mitnehmen oder zu Spiel- und Lernstunden auf die Tagesstätte einladen konnten, war es im August Schritt für Schritt möglich, die Vorbereitungen fürs neue Schuljahr zu treffen. Nebst dem Organisieren von Schuluniformen und Lernmitteln, gab es diesmal noch eine grosse Zusatzaufgabe: Unsere Lehrerinnen arbeiteten nonstop, um mit den Kindern in kleinen Gruppen den verpassten Schulstoff der letzten Monate nachzuholen. «Einige konnten kaum noch lesen und schreiben und die Lehrerinnen mussten sie erst wieder aus ihrem intellektuellen Mäuseloch rauslocken.» 

War dies geschafft, so spürte unser Team bei allen Kindern einen grossen Wissenshunger. So wie sich die Steppe nach langen Monaten der Trockenheit im ersten Sommerregen innert Stunden von einer braunen in eine grüne Landschaft wandelt, so fühlte sich die Arbeit mit den Kindern in den letzten Wochen an. Am Ende blühte zwischen Jurten und Armut eine Wiese voller bunter Blumen. In neuen Schuluniformen, mit frisch geflochtenen Zöpfen und einer Unbekümmertheit, wie sie Kinder haben sollten.

 

Fiebermessen & Desinfektion gehören zum neuen Alltag

Während sich Europa auf eine zweite Welle vorbereitet, entspannt sich in der Mongolei die Lage immer mehr. In den letzten Wochen gab es bloss noch vier aktive Covid-19 Fälle, die sich alle in staatlicher Quarantäne befinden und keinen Kontakt zu anderen Personen haben. Trotzdem ist auch in Ulaanbaatar noch lange nicht alles zurück beim Alten. Jede zweite Woche müssen unsere Gebäude durch eine dafür spezialisierte Firma desinfiziert werden, alle unsere Mitarbeitenden müssen wissen, wie man reagiert, falls ein Kind Symptome zeigen sollte und es muss zudem morgens und abends bei jedem Einzelnen Fieber gemessen werden.

Die Schülerinnen und Schüler gehen, weil die Klassen verkleinert wurden, derzeit nur an drei anstatt fünf Tagen pro Woche zur (staatlichen) Schule. Sie müssen die anderen zwei Tage einem Online/TV-Unterricht folgen, der bei uns auf der Tagesstätte stattfindet, wo Kinder durch die Bayasgalant Lehrerinnen unterstützt werden. Eine Aufgabe, die in den nächsten Wochen und Monaten sehr wichtig sein wird, da die allermeisten Eltern selbst keine Ressourcen haben, um ihre Sprösslinge beim Lernen zu unterstützen. 

 

2x pro Monat müssen die Räumlichkeiten von Bayasgalant (hier der Kindergarten) mit einer Desinfektionslösung besprüht werden.
2x pro Monat müssen die Räumlichkeiten von Bayasgalant (hier der Kindergarten) mit einer Desinfektionslösung besprüht werden.

Neue Kindergärtler 

Und schliesslich erhielt unser Kindergarten, so wie alle anderen nicht staatlichen Kindergärten auch, vom mongolischen Staat die Auflage, 25 neue Kinder aufzunehmen. Da die Kindergartenklassen in den staatlichen Kindergärten zu gross sind, wurden diese als Vorsichtsmassnahme verkleinert und die Kinder auf alle anderen Kindergärten verteilt. Normalerweise nehmen wir nur Kinder aus finanziell schwachen Familien bei uns auf. Nun hatten wir keine andere Wahl, als die uns zugeteilten Kindergärtler aufzunehmen. «Wir werden die finanziellen Umstände der Familien prüfen und dann entscheiden wie viel Unterstützung die Kinder benötigen. Aber in unserm Viertel gibt es so oder so keine reichen Familien", erklärt Zaya die Situation. Ihnen sei zudem für die Aufnahme der Kinder eine finanzielle Entschädigung von Seiten des Staates versprochen worden. «Ob wir da wirklich mal was bekommen ist jedoch fraglich. Unser Land ist nach der ganzen Krise ziemlich pleite.» 

 

Viel Arbeit am Horizont

Auch auf die Sozialarbeiterinnen wartet eine grosse Aufgabe: Jetzt, wo es ihnen endlich wieder erlaubt ist Familienbesuche zu machen, geht es darum herauszufinden, wie es den Familien wirklich geht. Wer noch ein Einkommen hat und wer nicht mehr. «Wir haben bereits die Erfahrung gemacht, dass einige Kinder nicht mehr zu uns gekommen sind, weil sie keine warmen Kleider oder Schuhe mehr hatten», erzählt Nendaa die Sozialarbeiterin und fährt fort, dass es für sie persönlich schwierig war, über so lange Monate nicht die Möglichkeit gehabt zu haben, die Kinder so zu unterstützen wie sonst. «Ich glaube es wartet jetzt sehr viel Arbeit auf Bayasgalant. Aber es tut so gut, endlich wieder da sein zu können.» 

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